180 Jahre Blasmusik in Oy-Mittelberg

Ein erster Hinweis auf eine Musiziergemeinschaft mit Blasinstrumenten in Oy-Mittelberg ist aus dem Jahr 1836 erhalten. Für das „Offertorium Duetto“ von Salieri existiert neben Gesangsstimmen, Streichern und Orgel auch je eine Stimme für Flöte und Posaune. Ein erster sicherer Beweis für die Existenz einer Musikkapelle findet sich dann im Jahre 1869 und zwar am 16. und 17. März, als ein Franz- Josef Häußler aus Oy einen Trauermarsch von Ludwig Beethoven für Blasinstrumente arrangierte. Weitere genau erfasste Nachweise existieren aus den Jahren 1870, 1876, 1877 und 1885. Im Jahr 1887 stößt man erstmals auf den Namen eines Leiters der Musikgesellschaft: Josef Allgayer aus Oy, der diesen Posten bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 innehatte. Die Verheiratung dieses ersten offiziellen Dirigenten nach Mittelberg führte im Jahre 1898 zu einer Verlegung der Proben dorthin.

Musikalische Vorfahren um 1900

Musikalische Vorfahren um 1900

stehend von links: Georg Allgeier (Oy), Josef Allgayer (Oy), Franz Josef Schorer (Oy), Valerian Angerer (Mittelberg)
sitzend von links: Josef Böck (Kressen), Ludwig Steiner (Haslach), Anton Schmöger (Oy), Alois Allgayer (Oy), Hans Weber (Oy)

Herausragende Veranstaltungen dieser frühen Kapelle waren die Einweihung eines Kriegermonumentes in Mittelberg am 9. Oktober 1876, die Teilnahme am Feuerwehrjubiläum in Nesselwang am 19. August 1888 und die Installation des Pfarrers Josef Wiedemann in Mittelberg am 9. Februar 1890. In den Folgejahren bis zur Jahrhundertwende finden sich regelmäßige Aufzeichnungen über die musikalische Mitwirkung an Veranstaltungen der verschiedensten Vereine in und um Oy, ebenso in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts.

Entstehung mehrerer eigenständiger Kapellen

Zu Beginn der Zwanzigerjahre entstanden aus dieser ursprünglichen Musikgesellschaft mehrere selbständige Kapellen im Gemeindegebiet: in Schwarzenberg, Mittelberg-Faistenoy und auch in Oy. Bereits am 26. Dezember 1922 hielt die Oyer Kapelle das erste Weihnachtskonzert ab, dieser alljährliche Höhepunkt im Vereinsleben hat sich bis zum heutigen Tag erhalten. Sicherlich sind die gemeinsamen Wurzeln mit ein Grund für das hervorragende nachbarlich-kameradschaftliche Verhältnis der Gemeindekapellen.

Musikfest in Oy

Ein wohl einzigartiger Höhepunkt im Vereinsleben der Harmoniemusik Oy war die Veranstaltung eines Musikfestes am 13./14. Juli 1924. Dieses Fest kam auf Initiative des Dirigenten Erich Schneider zustande. Noch vor der Gründung des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes (ASM) nahmen zwölf Kapellen aus dem gesamten Allgäu und dem benachbarten Tirol an Wertungsspielen und Festzug teil. Etwa 4000 Besucher wurden bei diesem Musikfest gezählt, viele davon kamen sogar mit einem Sonderzug aus Kempten. Dieses großartige Musikfest war sicherlich ein Grund dafür, dass die Harmoniemusik Oy zwei Jahre später zu den Gründungsmitgliedern des ASM zählte. Danach beendete Dirigent Schneider seine Tätigkeit. Bereits beim Fest des Veteranenvereins Mittelberg am 9. November 1924 wurde die Musikkapelle erstmals von Nikolaus Pankratz, einem Militärmusiker aus Kaufbeuren geleitet, mit welchem eine lange erfolgreiche Ära begann.

Mit Musik durchs ganze Jahr

Durch die zahlreichen, vielseitigen Aufgaben, die einer dörflichen Musikkapelle noch heute gestellt sind, wie Hochzeiten, Ständchen, Gestaltung von kirchlichen Festen und Vereinsfeiern etc. erstreckten sich die musikalischen Aktivitäten der Harmoniemusik Oy von Anfang an über das ganze Jahr hin. Im Laufe der Jahre entwickelten sich zudem Schwerpunkte, die größtenteils noch heute aktuell sind. Eine große Rolle spielte in den Zwanziger- und Dreißigerjahren der Oyer Fasching: So trat die Musikkapelle beim Schützenball am 15. Februar 1925 oder beim Ball des Theatervereins am 25. Januar 1931 auf; auch nach dem Krieg, ab 1947, wurde diese Tradition wieder aufgenommen. Ferner fanden aufwendige Faschingsumzüge im Dorf oder auch auswärts statt, wie der Faschingszug vom 16. Februar 1928, in welchem die Harmoniemusik „die vier Jahreszeiten“ präsentierte oder im Februar 1931 von Oy nach Nesselwang mit der Darstellung „das deutsche Lied in Bild und Spiel“. Der erste Umzug nach dem Krieg wurde am 16. Februar 1950 durchgeführt, ein Jahr später zog man fröhlich nach Nesselwang und Wertach. Mit der Zunahme des Fremdenverkehrs in der Gemeinde wurden bald sommerliche Kurkonzerte abgehalten, die bis zum heutigen Tag einen wesentlichen Anteil an den jährlichen Auftritten der Harmoniemusik bilden.

Zu einem weiteren sommerlichen Schwerpunkt wurde der Besuch von Musikfesten mit Wertungsspielen und Umzügen. Das Beispiel des ersten Allgäuer Musikfestes, das die Harmoniemusik 1924 in Oy veranstaltete, machte bald Schule: ab sofort wurden jährliche derartige Feste im Allgäu veranstaltet, die selbstverständlich von den Oyern besucht wurden, so 1925 in Durach, 1926 in Lechaschau / Tirol, 1927 in Füssen, 1928 in Unterthingau, 1929 in Pfronten, 1931 in Obergünzburg, 1932 in Kempten, 1934 in Marktoberdorf, um nur die frühesten zu nennen. Selbstverständlich wurde diese Tradition auch nach dem Krieg bis heute fortgesetzt. Die Harmoniemusik Oy besucht regelmäßig das jeweilige Bezirksmusikfest und ist häufig auch in anderen Bezirken und dem benachbarten Tirol ein gern gesehener und -gehörter Gast. Der Besuch des Katholikentages in Augsburg am 23. Mai 1982, bei Ministerpräsident Franz Josef Strauß um Bayerischen Landtag im November 1985, die Reise in den französischen Partnerschaftsort Bais vom 15. bis 19. September 1983 oder die Teilnahme am internationalen Musikfest in Calella / Spanien vom 10. bis 19. April 1992 sind mittlerweile auch schon Geschichte. Eine besonders ehrenvolle Einladung führte die Harmoniemusik Oy im Herbst 1955 und 1959 nach München zur Teilnahme an dem weltberühmten Oktoberfestumzug.

Im neuen Gewand 1953

Im neuen Gewand 1953

hinter der Trommel sitzend: Oberlehrer Georg Lechler, rechts daneben Dirigent Nikolaus Pankratz, daneben die nachfolgenden Dirigenten Ludwig Niedermayr und Ulrich Gött (außen)

Im Spätherbst 1978 wurde erstmals ein von der Musikkapelle ausgerichteter Nachmittag abgehalten, zu dem sämtliche Seniorinnen und Senioren der gesamten Gemeinde eingeladen waren. Mit Kaffee, selbstgebackenem Kuchen, viel Musik und fröhlichen Einlagen wurden die älteren Mitbürger mehrere Stunden lang unterhalten. Diese Veranstaltung erfreut sich von Jahr zu Jahr zunehmender Beliebtheit. Im Jahre 1950 Beschloss die Kapelle, den alten alpenländischen Brauch des Silvesterblasens zu pflegen. Dabei übermitteln verschiedene Gruppen den Gemeindebürgern und Gästen musikalische Grüße und Glückwünsche zum Neuen Jahr. Die Bevölkerung bedankt sich mit großzügigen Spenden, durch die ein wesentlicher Teil der immensen Ausgaben für Instrumente, Trachten, Notenmaterial, Reparaturen, Nachwuchsausbildung etc. bestritten werden kann. Ohne diese Unterstützung könnte manche notwendige Anschaffung nicht finanziert werden.

Fortsetzung folgt …